Die größte Herausforderung ist der inhärent hohe Wärmeeintrag des Prozesses. Der Lichtbogen erzeugt intensive, lokalisierte Wärme, die zu erheblichen Eigenspannungen, starker Verzug und einer großen Wärmeeinflusszone (WEZ) führt. Bei Hochleistungslegierungen wie Inconel 718 oder Titanlegierungen kann dies zu Verwerfungen, Rissbildung (insbesondere Erstarrungs- oder Aufschmelzrisse) und unerwünschten Phasenumwandlungen führen, die die mechanischen Eigenschaften verschlechtern. Die Beherrschung erfordert anspruchsvolles Vorwärmen, prozessbegleitende Temperaturüberwachung und robuste Vorrichtungen, bleibt aber im Vergleich zu energieärmeren Prozessen wie laserbasiertem DED eine grundlegende Einschränkung.
WAAM erzeugt eine grobe, anisotrope Mikrostruktur mit epitaktischen säulenförmigen Körnern, die oft der Aufbaurichtung folgen. Dies führt zu gerichteten mechanischen Eigenschaften und potenziellen Schwachstellen an Korngrenzen. Das Erreichen einer homogenen, feinkörnigen Mikrostruktur, die für Hochleistungsanwendungen geeignet ist, ist schwierig. Die zyklische Wiedererwärmung durch nachfolgende Schichten erzeugt zudem komplexe thermische Verläufe, die zu inkonsistenter Phasenverteilung führen. Für Legierungen, die auf präzise Ausscheidungshärtung angewiesen sind (z.B. γ'-Phase in Nickelbasis-Superlegierungen), ist eine anschließende Wärmebehandlung zwingend erforderlich, kann diese inhärenten Inhomogenitäten aber möglicherweise nicht vollständig beheben, was die Ermüdungs- und Kriechbeständigkeit beeinträchtigen kann.
WAAM leidet unter relativ geringer geometrischer Präzision und schlechter Oberflächengüte. Die Abscheidung ist durch ein welliges, geschichtetes Erscheinungsbild mit deutlichem Treppeneffekt auf gekrümmten Oberflächen und einem starken Schmelzbad-Ripple-Effekt gekennzeichnet. Dies erfordert einen erheblichen "Zuschlag für die spanende Bearbeitung", oft mehrere Millimeter, und umfangreiche, kostspielige CNC-Bearbeitung, um endgültige Maße und Toleranzen zu erreichen. Dies macht WAAM ungeeignet für Teile mit komplexen Innenmerkmalen oder dünnen Wänden und beschränkt seine Verwendung auf nahezu endkonturnahe Vorformen oder große Reparaturen mit einfacher Geometrie.
Nicht alle Hochleistungslegierungen sind in einer für WAAM geeigneten, aufspulbaren Drahtform ohne Weiteres verfügbar. Darüber hinaus ist der Prozess anfällig für spezifische Defekte wie Mangel an Verschmelzung, Porosität und Einschlüsse. Die hohe Abscheiderate und das turbulente Schmelzbad können Gase oder Oxid-Einschlüsse einschließen, was zu inneren Hohlräumen führt. Eine konsistente, fehlerfreie Abscheidung sicherzustellen, insbesondere für kritische Anwendungen in der Luft- und Raumfahrt, erfordert eine rigorose Parameteroptimierung und oft eine nachgelagerte Heißisostatische Pressung (HIP), um die Dichte zu erreichen, was Zeit und Kosten erhöht.
Die Qualifizierung eines WAAM-verarbeiteten Hochleistungslegierungsteils für sicherheitskritische Anwendungen ist eine große Hürde. Die inhärente Variabilität des Lichtbogenprozesses und die grobe Mikrostruktur machen es schwierig, konsistente, wiederholbare Eigenschaften zu garantieren, die den strengen Standards von Branchen wie der Luft- und Raumfahrt oder der Nuklearindustrie entsprechen. Umfangreiche Materialprüfungen und -analysen, einschließlich mechanischer Tests in verschiedenen Richtungen und umfassender zerstörungsfreier Prüfung, sind für jede neue Bauteilgeometrie und Legierungskombination erforderlich. Dieser Qualifizierungsprozess ist komplex, teuer und schränkt die breite Einführung für primäre Strukturbauteile ein.