Die Dauer des HIP-Prozesses hängt von der Legierungsart, der Bauteilgeometrie und den geforderten Anwendungsstandards ab. In den meisten industriellen Anwendungen liegen HIP-Zyklen zwischen 2 und 6 Stunden, gefolgt von kontrollierter Abkühlung. Für hochleistungsfähige Nickelbasislegierungen – wie Inconel 738C oder Einkristallmaterialien wie PWA 1484 – sind oft längere Einwirkzeiten erforderlich, um einen vollständigen Porenverschluss zu gewährleisten, insbesondere bei dickwandigen oder innen gekühlten Geometrien. Die Dauer des HIP-Zyklus muss sorgfältig auf den Schmelzpunkt und die mikrostrukturelle Stabilität jeder Legierung abgestimmt werden, um Kornvergröberung oder γ'-Phasenabbau zu verhindern.
Bei Bauteilen, die durch Superlegierungs-Equiaxialkristallguss oder pulverbasierte Verfahren wie die Herstellung von Pulvermetallurgie-Turbinenscheiben hergestellt werden, wird die HIP-Zeit stark von der anfänglichen Dichte und der Defektverteilung beeinflusst.
Verschiedene Legierungsgruppen erfordern speziell angepasste HIP-Zyklen:
Nickelbasis-Superlegierungen – erfordern im Allgemeinen höhere Temperaturen (1.100–1.200°C) und längere Prozesszeiten, insbesondere solche mit hohem γ'-Gehalt wie Rene 142.
Kobaltbasislegierungen – eine verbesserte Verschleißfestigkeit wird mit kürzeren Zyklen erreicht, aber der Druck muss präzise gesteuert werden.
Titanlegierungen – HIP muss zeitgesteuert sein, um ein α/β-Phasen-Ungleichgewicht zu verhindern; üblich bei Luftfahrtgussstücken und 3D-gedruckten Superlegierungsbauteilen.
Pulvermetallurgische Materialien – HIP-Zyklen können 6 Stunden überschreiten, um vor der Endbearbeitung eine vollständige Verdichtung zu erreichen.
In den meisten Fällen folgt auf HIP Lösungsglühen oder Auslagerungszyklen, um Kriechbeständigkeit und Ermüdungsfestigkeit zu entwickeln. Diese sequenzielle Behandlung ist Standard in Luftfahrt- und Energieerzeugungsanwendungen, bei denen eine konsistente thermische Leistung entscheidend ist.
Nach einem HIP-Zyklus können Endbearbeitungsoperationen wie Superlegierungs-CNC-Bearbeitung oder EDM erforderlich sein, um Geometrie und Toleranzen wiederherzustellen. Die abschließende Mikrostrukturverifizierung erfolgt typischerweise durch fortschrittliche Materialprüfung und -analyse, einschließlich Metallographie und Röntgen-CT-Scanning.