Der erste und kritischste Schritt für SLM-gedruckte Ti-6Al-4V-Bauteile ist die Wärmebehandlung, um das metastabile, nadelförmige martensitische (α') Gefüge zu behandeln, das durch die schnelle Abkühlung entsteht. Unmittelbar nach dem Aufbau wird ein Spannungsarmglühen durchgeführt, um Verzug oder Rissbildung zu verhindern. Darauf folgt typischerweise ein Heißisostatisches Pressen-Zyklus. Heißisostatisches Pressen (HIP) ist für Ti-6Al-4V entscheidend, da es gleichzeitig innere Porosität beseitigt und das spröde α'-Martensit in ein duktileres und stabileres Gleichgewichts-α+β-Lamellengefüge umwandelt. Dies verbessert die Ermüdungslebensdauer, Bruchzähigkeit und Duktilität dramatisch und bringt die Materialeigenschaften mit Schmiedestandards in Einklang oder übertrifft diese sogar.
Nach der Wärmebehandlung erfolgt die grobe Entfernung der Stützstrukturen. Dies geschieht oft mittels Drahterodieren oder vorsichtigem Bandsägeschnitt. Die as-built-Oberfläche von SLM-Bauteilen ist durch anhaftende Pulverpartikel und hohe Oberflächenrauheit gekennzeichnet, die als Spannungskonzentratoren wirken. Daher werden abrasive Verfahren wie Schwingentgraten, Kugelstrahlen oder Strahlen verwendet, um allgemeine Oberflächen zu reinigen und zu glätten. Für kritische, ermüdungsanfällige Bereiche sind aggressivere Techniken wie CNC-Bearbeitung oder Schleifen unerlässlich, um eine hochwertige Oberflächengüte zu erreichen und die äußere Schicht zu entfernen, in der sich möglicherweise unter der Oberfläche liegende Defekte befinden.
Trotz der hohen Maßgenauigkeit des SLM-Verfahrens erfordern funktionale Oberflächen wie Dichtflächen, Gewindebohrungen und Passflächen eine Präzisionsbearbeitung, um die endgültigen Toleranzen zu erreichen und die notwendige Oberflächenintegrität zu gewährleisten. Diese Superlegierungs-CNC-Bearbeitung wird immer *nach* HIP und der primären Wärmebehandlung durchgeführt. Diese Reihenfolge stellt sicher, dass eventuelle geringfügige Verzüge aus der Wärmebehandlung korrigiert werden und dass die Bearbeitung am endgültigen, stabilen Gefüge des Bauteils erfolgt, was langfristige Maßstabilität unter Belastung garantiert.
Die letzte Stufe umfasst Validierung und Endbearbeitung. Bauteile unterziehen sich strengen Materialtests und -analysen, die für Ti-6Al-4V oft eine Eindringprüfung zur Überprüfung der Oberflächenintegrität und Ultraschallprüfung zur Bestätigung der inneren Dichtheit nach HIP beinhalten. Für medizinische Implantate oder kundenorientierte Komponenten im Luft- und Raumfahrt-Sektor ist das Elektropolieren ein häufiger letzter Schritt. Dieser elektrochemische Prozess sorgt nicht nur für eine glatte, spiegelähnliche Oberfläche, sondern passiviert auch die Oberfläche und verbessert so die natürliche Korrosionsbeständigkeit des Titans für Anwendungen in anspruchsvollen Umgebungen.