Rekristallisation beim Einkristallguss bezeichnet die Bildung neuer, unerwünschter Körner innerhalb eines Bauteils, das ein kontinuierliches einkristallines Gitter beibehalten soll. Sie tritt typischerweise auf, wenn lokalisierte Bereiche plastische Verformung erfahren und anschließend über die Rekristallisationstemperatur wieder erwärmt werden. Diese Bedingungen aktivieren die Keimbildung frischer, spannungsfreier Körner, die die erforderliche kristallografische Kontinuität des Materials unterbrechen.
Rekristallisation tritt häufig in hochbeanspruchten Bereichen auf – wie dünnen Kanten, Hinterkanten von Turbinenschaufeln oder in der Nähe von Kühllöchern – wo Bearbeitung, Schleifen oder Handhabung Restverformungen induzieren. Nachfolgende Hitzeeinwirkung während Operationen wie Lösungsglühen, Beschichtungsauftrag oder lokaler Überhitzung kann die Keimbildung und das Wachstum neuer Körner auslösen. Legierungen mit hohem γ′-Gehalt – wie CMSX-11 oder Hochleistungs-Rene 41-Derivate – sind besonders empfindlich, weil ihre Mikrostrukturen Verformungen leichter speichern.
Einkristall-Superlegierungen sind auf ein einheitliches, kontinuierliches Gitter angewiesen, um außergewöhnliche Kriechbeständigkeit, Ermüdungsfestigkeit und Hochtemperaturstabilität zu erreichen. Rekristallisierte Körner stören diese Struktur, indem sie Korngrenzen einführen – Schwachstellen, die Kriechverformung, Oxidationsdurchdringung und Rissbildung fördern. Bauteile, die unter extremen thermischen und mechanischen Lasten arbeiten, wie Turbinenschaufeln der ersten Stufe, können diese Grenzen nicht tolerieren, da sie die Langzeitzuverlässigkeit und Leistung beeinträchtigen.
ZfP-Techniken wie CT-Scanning und Eindringprüfung können oberflächenverbundene Risse in Verbindung mit rekristallisierten Zonen aufdecken, aber eine eindeutige Identifizierung erfordert eine mikrostrukturelle Analyse durch Materialprüfung und -analyse, einschließlich EBSD-Kartierung. Die Prävention konzentriert sich darauf, Kaltbearbeitung während der Endbearbeitung zu minimieren, Schutzvorrichtungen bei der Handhabung anzuwenden und Wärmebehandlungszyklen zu optimieren, um Temperaturabweichungen zu vermeiden, die Rekristallisation auslösen könnten.