Aus ingenieurtechnischer Sicht wird das Tiefbohren hauptsächlich auf nickelbasierte Superlegierungen angewendet, die in Heißgaskomponenten zum Einsatz kommen. Legierungen wie Inconel 718, 625, 713 und 939 sowie Hastelloy X und andere Nickel-Chrom-Legierungen werden häufig für Kühlkanäle, Kraftstoffleitungen und Schmierungskreisläufe ausgewählt. Diese Legierungen behalten ihre Festigkeit und Oxidationsbeständigkeit bei 700–1.000 °C, doch ihre hohe Härte und Neigung zur Kaltverfestigung machen das Tiefbohren technisch anspruchsvoll.
Für verschleiß- und erosionskritische Bauteile sind kobaltbasierte Werkstoffe wie Stellite 6 oder Haynes 188 üblich. Ihre ausgezeichnete Warmhärte und metallurgische Stabilität eignen sich gut für Leitschaufeln, Düsen und Ventilkomponenten, die lange, präzise Innenkanäle erfordern.
In der modernen Turbinentechnik werden Kühlbohrungen oft in einkristallinen Schaufeln aus Legierungen wie CMSX-4 oder hochmodernen Einkristallsystemen aus unserem Superlegierungsportfolio der vierten Generation gebohrt. Diese Werkstoffe bieten außergewöhnliche Kriechbeständigkeit, doch die anisotrope Kristallstruktur und komplexe Schaufelgeometrie erfordern hochkontrollierte Tiefbohrstrategien für Superlegierungen, um Mikrorisse und thermische Schäden zu vermeiden.
Für Turbinenscheiben und Rotoren werden pulvermetallurgische Legierungen wie FGH96 und FGH97 häufig eingesetzt. Ihre feine, homogene Mikrostruktur ermöglicht hohe Ermüdungsfestigkeit, erhöht aber auch die Schnittkräfte. Tiefbohrungen in diesen Scheiben – verwendet für Zugstangenkanäle, Schmierung und Gewichtsreduzierung – müssen mit optimierter Vorschubgeschwindigkeit, Kühlmitteldruck und Stufenbohrstrategien bearbeitet werden.
Wo Gewichtsreduzierung entscheidend ist, insbesondere in Strukturelementen und Verdichterkomponenten, werden Titanlegierungen wie Ti-6Al-4V und Hochleistungs-Beta-Legierungen häufig für Hydraulikleitungen und Befestigungspunkte tiefgebohrt. Im Vergleich zu Nickellegierungen erzeugt Titan geringere Schnittkräfte, ist aber empfindlicher gegenüber Wärme und Späneabfuhr, daher sind Werkzeuggeometrie und Kühlmittelkontrolle entscheidend.
Zunehmend werden Innenkanäle durch 3D-Druck von Superlegierungen vorgeformt, wobei das Tiefbohren zur Kalibrierung, Entgratung und lokalen Korrektur eingesetzt wird. Additiv gefertigte Inconel- oder Hastelloy-Komponenten kombinieren oft komplexe Gitterstrukturen mit konventionell gebohrten Bohrungen, um sowohl thermische Effizienz als auch Maßhaltigkeit zu erreichen.
Die oben genannten Werkstoffe dominieren in Hochleistungssektoren wie Luft- und Raumfahrt, Energieerzeugung und Öl und Gas, wo tiefe Innenkanäle für Kühlung, Kraftstoffdosierung und Hochdruckfluidhandhabung unerlässlich sind. In der Praxis wird die Werkstoffauswahl für das Tiefbohren durch Betriebstemperatur, Korrosionsumgebung und erforderliche Ermüdungslebensdauer bestimmt; unsere Aufgabe ist es, die geeignete Superlegierung oder Titanlegierung mit einem stabilen Bohrprozessfenster und anschließender Nachbearbeitung wie CNC-Bearbeitung von Superlegierungen abzustimmen.